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Die Heirat 


Aufgeregt und nervös kam ich in Cebu, auf der Insel Mactan an. Mein Mädchen, die Eltern und ihr Schwager, der Taxifahrer, holten mich ab. Sie war sehr scheu und ich wusste auch nicht viel zu sagen. Wir fuhren zu ihrem Haus in der Carlock St. Ich hatte Bilder von ihr, wo man teilweise die Zimmer sehen konnte. Auf den Bildern sah es für mich toll aus. Gardinenoder Vorhänge and den Wänden waren zu sehen, glänzend gebohnerte Holzfussböden. Ich hatte ja keine Vorstellung von einer philippinischen Wohnung. So wie auch heute noch viele philippinische Frauen ohne eine Vorstellung, wie es in Europa aussieht, hierher kommen. So erging es mir damals auch. Mit der Einstellung, dort ist alles so wie bei uns Zuhause. Meine finanziellen Mittel waren begrenzt und ich der Meinung, ich würde dort im Haus ihrer Eltern für die Zeit unterkommen. Als ich dann das alte Holzhaus sah und über die baufällige Holztreppe nach oben gebeten wurde, gingen mir schon die Gedanken wirr im Kopf herum. Natürlich waren alle Geschwister, Verwandte und Nachbarschaft da, um sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Das ich gedacht hatte im Haus als Gast unterzukommen, habe ich für mich behalten. Die Familie entschied dann, es wäre das Beste für mich im Gästezimmer des Miller Hospitals, gleich um die Ecke, Quartier zu nehmen. Haha, da fing das Gezerre am Budget schon an.

„The now City of Cebu was once a fishing settlement of Rajah Humabon who ruled the area when Ferdinand Magellan came on April 7, 1521. Fishermen used to grease the keel of their fishing bancas with “sebu” or animal fat. So it came to pass that while a fisherman was greasing his banca or “baroto”, a group of Spaniards sauntered along and asked him the name of the place. The native, thinking the the foreigners were asking about the grease in his hands, replied laconically, “Sebu”. Thus, the fishing village (and eventually the entire Island of Cebu) came to be called Cebu.“

 

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Im Familienpalaver und nach dem Aussenden von Kundschaftern, sprich Vater oder Schwager waren zur City Hall gegangen, um zu sehen, was alles an Papieren gebraucht wurde. Sie war in Lala, das ist in der Provinz Lanao del Norte, auf Mindanao geboren. Also musste sich Schwager frei nehmen um mit dem Schiff von Cebu nach Ozamis zu fahren und die Geburtsurkunde zu besorgen. Hehe, da ging der nächste nicht eingeplante Geldbetrag dahin. An Papieren für mich, hatte ich meinen Reisepass, meine Geburtsurkunde und die Scheidungsurkunde mit, von einem Ehefähigkeitszeugnis hatte ich noch nie gehört. Ich wurde zu Behörden geschleppt und habe die meiste Zeit dort mit Warten verbracht und ab und zu mal Papiere unterschrieben. Es dauerte eine Weile, mir bei meinen englisch Kenntnissen plausibel zumachen, dass ich ein Ehefähigkeitszeugnis brauche. Nach viel Rennerei durch die Familie ging es dann auch ohne. Ob das unter dem Tisch oder nur gute Worte gekostet hat, weiss ich nicht mehr.


So ging auch die Zeit dahin. Ich hatte meinen gesamten Jahresurlaub genommen. Es dauerte Tage bis Schwager mit der Geburtsurkunde wieder da war. Danach zeigte er mir mit dem Taxi die Stadt und was er für Sehenswürdigkeiten hielt. Als Erstes mal die Coca-Cola und Pepsi Abfüllanlagen und dann den Taoisten Tempel. Wir sind auch mal ans Meer gefahren, dort hin wo der normale Stadtmensch am Wochende hingeht, nach Talisay. Wir hatten ein kleines Piknik mit Brathähnchen, Grillfisch und gekauftem Lechon und es war ganz lustig. Nur, mir viel eine dünne alte Frau auf, die nicht weit von mir weg sass und mir schweigend zuschaute, wie ich mein Hähnchenbein attackiert. nachdem ich mit Essen fertig war und ein SMB zu trinken hatte (damals gabe es nur diese eine Sorte Bier, oder Importe), stand die alte Frau auf und kam zu mir herüber und versuchte mir ohne zu reden, mit auf die Knochen deutenden Fingern und zum Mund führenden Bewegungen, zu fragen, ob sie die Hähnchenüberreste haben kann. Ich habe mich dann geschämt, als mir bewusst wurde, dass die alte Frau mit Hunger mir zugeschaut hat wie ich genussvoll gegessen habe. Nachdem sie alle, und ich meine alle, Knochen eingesammelt hatte, erklärte man mir, dass sie sich daraus eine Suppe kochen werde. Das war schon ein Schock für mich das erstemal mit richtiger Armut konfrontiert zu werden und bewusst zu werden, dass es hier kein soziales Auffangnetz gibt. Dazu kam auch noch, das eine Meute streunender Hunde auch auf die Knochen warteten und einige sogar der alten Frau hinterher liefen.


Nachdem nun alle Papiere zusammen waren wurde auch ein Termin für die Hochzeit festgelegt. Da ich sah, was da noch alles an Kosten auf mich zukam, habe ich dann der Familie erklären müssen, dass der Aufenthalt im Gästezimmer vom Miller's zu teuer wird. Daraufhin wurde beschlossen, dass ir eine Matratze und Bettzeug gekauft wird, und ich eines der zwei Zimmer beziehen soll. Die dort vorher schliefen wurden in den Wohnraum zum Schlafen einquartiert. Der Wohnraum war gross genug. Dort befand sich auch die erste 'dirty kitchen' die ich zu sehen bekam, mit einer weiteren Treppe nach unten (hehe die war noch wackeliger) und einem langen Bambusrohr, das als Abflussrohr für das Waschbecken diente. Ein Badezimmer gab es nicht. Draussen zwischen den Häusern gab es einen offenen Brunnen mit einem Eimer am Seil, wo sich die ganze Nachbarschaft wusch. Das wollte man mir aber nicht zumuten, so wurde für mich Wasser ins Haus geschleppt und ich wurde von meiner zukünftigen Frau gewaschen und hahaha gepudert. Auch ein Erlebnis.


Der nächste nicht eingeplante Betrag ging drauf für Brautgeschenke wie Gaskocher und elektrischer Ventilator. Hmm, an dem Tag habe ich wohl meine Braut gekauft. Zum Glück hatte ich einen Scheck meiner Bank für den Notfall mit (ATM's gabs ja noch nicht und Überweisungen waren auch ein Abenteuer und für handvermittelte Überseegespräche nach Hause war man stundenlang unterwegs). Mit dem Scheck einfach zur Bank gehen und einlösen war auch nichts. Da musste Schwiegervater schon alle seine Beziehungen ausnutzen, damit der Scheck bei den ‚monechangers’ in Bares eingetauscht wurde.


Der Tag der Hochzeit rückte näher. Das Brautkleid war genäht und ich bekam ein Barong Tagalog Hemd. Trauzeugen waren gefunden, für mich eine Nachbarin und der Police Commander von Talisay (viele,viele Jahre später sollte ich durch einen Zufall, nachdem er schon verstorben war, seiner Tochter in einem Reisebüro in Cebu City begegnen). Die Braut war fast bis zu Unkenntlichkeit geschminkt. Das Taxi vom Schwager gefahren, war geschmückt und unsere Hochzeitskutsche. Noch kurz bevor wir losfuhren, fragte mich eine der hübschen Nachbarsmädchen, warum ich denn nicht sie heirate. Auf meine Frage, ob sie das ernst meinen würde, antwortete sie mit einem todernsten ja.

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 Die Zeremonie in der City Hall war schnell vorüber und wir wieder schnell Zuhause. Grossmutter schüttete uns Reis über den Kopf, als wir die Treppen hochkamen. Dann begann der grosse Schmaus mit all den Leckereien die mir heute noch lieb sind. Na ja, das Lechon nicht so, schmeckt so fade, aber Pancit, Adobo, Grillfisch und Fisch Escabece süss-sauer, Hackfleischbällchen.

 

Lebensgeschichte

Lebensgeschichte - 03